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Aura/Nachbilder und Mouches volantes


DAS BEWUSSTSEIN SEHEN

Geschrieben von Floco am 28. November 2006 21:57:35:

Als Antwort auf: Lichtblitze & Veränderung des Geschmacks, Folgen des Mouches Volantes?? geschrieben von Marah am 23. November 2006 08:19:12:


>Sehr Interessantes Thema, nur eine Frage habe ich noch. Dieses Mouches Volantes, hat das auch was mit dem Aura sehen zu tun? Ich meine, können diese Menschen auch besser die Aura eines Menschen oder Tieres besser sehen? Oder sogar negative Sachen, wie Krankheiten usw.? Wo führt uns das hin, dieses „Sehen“? Ist dort schon etwas mehr erforscht worden? Werden Experimente gemacht mit Menschen?
>Vielen Dank für die Antworten, Marah…..

Hallo Marah

Danke für deinen Bericht. Das Gemeinsame von Auras (Phosphene, Nachbilder) und Mouches volantes ist es, dass beide auf dem inneren Bildschirm sehbar sind. Die innere Leinwand ist nach Nestor der Ort, wo wir innere Phänomene sehen. Solche inneren Phänomene verstehe ich als Feedback für unsere Bewusstseinsentwicklung, die wir durch aufmerksames Beobachten in verschiedenen Lebens- und Gefühlssituationen deuten lernen können.

Im folgenden sende ich einen Auszug zu Aura/Nachbilder und Mouches volantes aus meinem Artikel "Zwischen Innenwelt und Aussenwelt – Entoptische Phänomene und ihre Bedeutung für Bewusstseinsentwicklung und Spiritualität":


Nachbilder


Die Nachbilder sind von den hier vorgestellten Phänomenen diejenige Erscheinung, die am meisten wahrgenommen und erforscht ist. Der Begriff bezieht sich auf das Nachwirken einer visuellen Empfindung, wenn der tatsächliche Reiz eines betrachteten Gegenstandes nicht mehr da ist. Ein Nachbild erscheint zunächst in derselben Helligkeit und Farbe wie der betrachtete Gegenstand (positives Nachbild), wandelt sich dann aber in sein Gegenteil, z.B. grün für einen roten Gegenstand (negatives bzw. komplementärfarbenes Nachbild).

Seit Jahrhunderten machten sich Schriftsteller, Naturphilosophen und Optiker, später auch Psychologen und Augenmediziner Gedanken über Nachbilder. Aufgrund ihrer Beobachtungen des Phänomens stellten sie Theorien und Gesetze über die Farben und die Physiologie des Sehens auf. Ein berühmtes Beispiel ist der deutsche Dichter und Naturforscher Johann Wolfgang von Goethe. Seine von der Wissenschaft abgelehnte Farbenlehre, welche die Vielfalt der Farben auf die Urpolarität von Blau und Gelb zurückführte, beruhte teilweise auf der Beobachtung von Nachbildern. Wie Leonardo Da Vinci, auf den er sich bezog, sprach Goethe den Nachbildern damit eine vornehmliche Bedeutung zu, im Gegensatz zu den Anhängern der als wissenschaftlich geltenden Farbtheorie Isaac Newtons, welche die damals nicht erklärbaren Nachbilder für eine halluzinative Augentäuschung hielten.

Heute werden negative Nachbilder als eine Leistungseinbusse der Augenrezeptoren erklärt: Durch die längere Betrachtung eines farbigen Gegenstandes wird der Farbstoff eines oder mehrerer der drei roten, blauen und grünen Zäpfchenzellen aufgebraucht. Für eine gewisse Zeit fehlt nun die Leistung jener ausgelaugten Zäpfchen, wodurch die Farbmischung nur mit den noch vorhandenen Farbstoffen zustande kommt. Auf diese Weise entsteht das komplementärfarbene Nachbild.

Eine spirituelle Bedeutung haben Nachbilder in Zusammenhang mit dem Aura-Sehen erfahren. „Aura“ (griechisch: Hauch, Lufthauch; lateinisch: Schimmer, dann Ausstrahlung, Vorahnung) bezeichnet in der Esoterik den Energiekörper, welcher eine Person umgibt und von sensiblen Menschen als Farbspektrum wahrgenommen werden kann. Die wichtigste Vorstellung über die Aura ist, dass sie Informationen über das Objekt beinhaltet, die sich durch unterschiedliche Farben und Intensitäten in der Aura äussern. Dieses Wissen kann sowohl für gesundheitliche wie soziale Zwecke eingesetzt werden. So soll es möglich sein, durch das Aura-Sehen Ungleichgewichte des Körpers und der Seele auf einen Blick festzustellen, und Gegenmassnahmen zu treffen, bevor diese sich körperlich manifestieren. Anderseits erhalten Aura-Sehende Informationen über eine bestimmte Person, können also einschätzen, ob sie ehrlich ist, d.h. sich gemäss ihrer Aura verhält und spricht, oder ob sie etwas vortäuscht.

Um die Aura zu sehen muss der/die Übende die Empfindlichkeit der Augen sowie das wahrnehmbare Spektrum über die sehbaren Wellenlängen hinaus erweitern. Dazu wird die periphere Wahrnehmung (Wahrnehmung in den Randzonen des Gesichtsfeldes) trainiert, die Beleuchtungszeit verlängert und der Sehvorgang allgemein erweitert durch die verbesserte Kommunikation zwischen linker und rechter Hirnhälfte. Übungen dazu sind etwa das konzentrierte Fokussieren auf einen einzigen Punkt für längere Zeit (Ausdehnung der Beleuchtungszeit), oder das Doppelt-Sehen gewisser Gegenstände (Erweiterung der Kommunikation beider Hirnhälften) durch Schielübungen.

Die längere Konzentration auf einen Punkt fördert auf physiologischer Ebene die Entstehung von Nachbildern, welche von den Übenden als Aura des betrachteten Objekts gedeutet werden. Allerdings sind Nachbildeffekte nicht der einzige Vorgang beim Aurasehen, denn häufig beschreiben hellsichtige Individuen die wahrgenommenen Auren komplexer, nämlich mehrschichtig, mehrfarbig und bewegend bzw. pulsierend. Solche komplexen Aura-Beschreibungen werden in der Psychologie neben dem Nachbildeffekt gerne mit halluzinatorischen Erlebnissen, neuerdings auch mit Fritz Albert Popps umstrittenen Biophotonen (Lichtquanten, die nachweisbar von Zellen erzeugt und ausgestrahlt werden) oder mit Effekten der Synästhesie (Reizempfindung eines Sinnesorgans bei Reizwahrnehmung eines anderen, z.B. Farbwahrnehmung bei akustischem Reiz) erklärt.


Mouches volantes

Der Begriff „Mouches volantes“ (französisch für „fliegende Fliegen/ Mücken“) stammt aus der Augenheilkunde und bezeichnet dort die subjektive Wahrnehmung von verschiedensten Punkten, Fäden, Flecken, Trübungen im Gesichtsfeld. In den allermeisten Fällen gelten diese Trübungen als harmlos und sind nicht therapiebedürftig. Die so genannten harmlosen Mouches volantes, die hier gemeint sind, können als kleine Pünktchen und Fädchen wahrgenommen werden, welche v.a. bei hellen Lichtverhältnissen (Blick gegen den Himmel oder eine weisse beleuchtete Wand) gut sichtbar sind. Sie bewegen sich entsprechend unserem Blick mit, sind aber auch davon losgelöst, d.h. beim Stillhalten des Blicks fliessen sie weg, v.a. nach unten.

In der heutigen Augenheilkunde werden Mouches volantes meistens als verklumpte Glaskörperstrukturen erklärt, welche durch das altersbedingte Schrumpfen und Verflüssigen des Glaskörpers erfolgen kann. Wenn nun Licht in das Auge fällt, werfen diese verklumpten Strukturen Schatten auf die Netzhaut, welche vom Betrachter als bewegte Teilchen wahrgenommen werden.

Auch wenn Mouches volantes als harmlos gelten, werden in letzter Zeit vermehrt Laserbehandlungen und Vitrektomien (chirurgische Entfernung des Glaskörpers oder Teile davon) angeboten, und zwar für eine Minderheit von Betroffenen, bei welchen die Wahrnehmung der Mouches volantes einen grossen, objektiv nicht nachvollziehbaren Leidensdruck erzeugen. Diese Operationen zeigen nicht in jedem Fall die erwünschte Wirkung. Dies bedeutet, dass der objektive Nachweis der Mouches volantes auf schwachen Beinen steht: Häufig kann der Arzt im Auge des Patienten gar nichts feststellen, oder aber sein Befund deckt sich nicht mit der Beschreibung und Bewertung des Patienten. Diese Lücke wird mit Hilfe der Psychologie überbrückt: So heisst es, der Patient stehe derzeit unter psychischer Belastung; dabei projiziere er seine Ängste und Zwangsvorstellungen auf die Mouches volantes, welche infolge davon intensiver und schlimmer wahrgenommen würden, als sie tatsächlich sind.

In den 1990er Jahren machte ich im Schweizer Emmental die Bekanntschaft mit einem Einsiedler namens Nestor, der sich selbst als Seher bezeichnet. In der aussergewöhnlichen Weltdeutung und Lebensweise von Nestor spielen die Mouches volantes eine zentrale Rolle.

Nach ihm ist die Erscheinung dieser Punkte und Fäden das Resultat unserer bisherigen Bewusstseinsentwicklung. Im Laufe von weiteren Fortschritten in diesem Prozess, herbeigeführt durch eine ethische Lebenshaltung, konsequente Leibes- und Atemübungen, sowie erweiterte Bewusstseinszustände, verändert sich unsere Haltung und v.a. unsere Wahrnehmung gegenüber den Mouches volantes: Stören uns zu Beginn eher als trübe oder transparente, ablenkende Punkte und Fäden, sehen wir sie später als grosse Kugeln und Fäden, auf die wir unsere Konzentration richten und sie damit zum Leuchten bringen.

Das, was wir als Mouches volantes kennen, beschreibt Nestor also als erste Erscheinungen einer leuchtenden, durch unser Bewusstsein gebildeten Grundstruktur. Bewusstseinsentwicklung bedeutet für ihn nichts anderes, als einen Weg in dieser Grundstruktur zurückzulegen – einen Weg, der ab einem bestimmten Stadium in der Entwicklung mit dem „inneren Sinn“ bzw. mit dem dritten Auge direkt gesehen werden kann. Konkret heisst dies, dass wir unsere Mouches volantes allmählich näher und grösser sehen werden, dass wir vertraute Punkte und Fäden hinter uns lassen, während vor uns neue erscheinen. Dieser Weg ist nicht endlos, sondern er beinhaltet eine Reduktion der für uns relevanten Kugeln, bis wir eine ganz bestimmte Konstellation weniger Kugeln sehen können, die Nestor als Ursprung unserer Existenz bezeichnet. An einer dieser Kugeln sind wir fixiert, in sie einzugehen bedeutet, mit dem Gesehenen eins zu werden. Dies ist das Ziel der Seher.

Für Nestor sind Mouches volantes demnach nicht nur ein visuelles Feedback der eigenen Bewusstseinsentwicklung, sondern auch Teil der meditativen Praxis. Die Konzentration darauf und der Versuch, sie mit gezielten Augenbewegungen zu beeinflussen und im Gesichtsfeld festzuhalten, versteht er als eine Meditation mit offenen Augen.



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