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Übung für das Sehen der Leuchtstruktur (Mouches volantes)


DAS BEWUSSTSEIN SEHEN

Geschrieben von floco.tausin (at) bewusstsein.ws am 09. Mai 2004 19:12:03:

Hallo zusammen

Danke für eure Beiträge. Leider sind es bis jetzt nur wenige Besucher, die sich zu Wort gemeldet haben. Um also frischen Wind in die Diskussion zu bringen, möchte ich euch einen Textauszug aus dem Kapitel 2.2 Kreisfiguren mit Doppelmembran vorstellen.
Es geht darin um eine Augenübung, die mich Nestor lehrte. Dies war zu einer Zeit, als ich die Mouches volantes (siehe: https://www.mouches-volantes.com) noch nicht sehen konnte. Stattdessen musste ich mit den komplementärfarbenen Nachbilder üben, um meine „Innere Leinwand“ (= Gedanken- und Gefühlswelt) kennenzulernen und Distanz zur „Äusseren Leinwand“ (= materielle Welt) zu gewinnen. Es ging darum, mich auf diese Nachbilder zu konzentrieren und zu versuchen, sie so gut als möglich festzuhalten.
Nachbilder lassen sich erzeugen, wenn wir längere Zeit auf einen Gegenstand schauen, oder wenn wir kurz in eine helle Lichtquelle (Kerze, Glühbirne etc.) blicken. Das Problem beim Sehen dieser Nachbilder ist, dass sie sich dauernd bewegen. Um sie besser festhalten zu können, musste ich eine Augenübung erlernen: das „Doppeln“ (= Doppeltsehen).
Ich hatte aber Schwierigkeiten, mich auf diese Nachbilder zu schauen und sie gleichzeitig zu doppeln. Deshalb liess mich Nestor zwei Kreisfiguren mit einer Doppelmembran malen, die mir halfen, das Doppeln zu erlernen.
Dieses Doppeln hilft aber nicht nur bei den Nachbildern, sondern damit lassen sich auch die Mouches volantes etwas länger sehen und festhalten.
Wie man diese Kreisfiguren herstellt und damit übt, steht im folgenden Auszug geschrieben:


Textauszug:
Mouches Volantes – Die Leuchtstruktur des Bewusstseins
Kapitel 2.2 Kreisfiguren mit Doppelmembran

Am nächsten Tag schnitten wir die gesammelten Steinpilze in dünne Scheiben und legten sie zum Trocknen auf den Ofen. Nestor kam dabei auf den Vorgang des Nachbildsehens zu sprechen.
„Wenn du die Nachbilder sehen willst, dann werden dir zwei Hindernisse begegnen, die die Dauer deines Sehens verkürzen“, prophezeite er. „Das erste Hindernis ist, dass die Leuchtkraft des Nachbildes abnimmt, bis es so schwach ist, dass du es nicht mehr wahrnehmen kannst. Und das andere Problem ist, dass du diese Nachbilder nicht festhalten kannst – sie schwimmen in deinem Blickfeld umher oder verschwinden nach unten. Das heisst, sie unterliegen der Anziehungskraft.“
Nestor machte mich darauf mit einer Augenübung vertraut, um diesen Hindernissen entgegenzuwirken. Er erklärte, dass ich das Nachbild festhalten lernen könne, indem ich es mit den Augen abwechselnd an mich heranzog und wieder losliess. Dazu sollte ich meinen Blick solange konzentrieren, bis die beiden Bilder des linken und des rechten Auges auseinanderdrifteten.
„Du willst, dass ich schiele?“ fragte ich ihn.
„Ich nenne es: das Doppeln“, erwiderte er. „Es gibt zwei Arten, wie du doppelst, also zwei Bilder nebeneinander sehen kannst: Wenn deine Augen ermüdet sind und du in die Ferne starrst, dann ist das auch ein Doppeltsehen; aber es ist keine Aktivität darin, es ist ein Gehenlassen der Augen. Für das Festhalten der Nachbilder bringt diese Art aber nichts.
Die andere Möglichkeit, doppelt zu sehen, erreichst du, wenn du deine Augen anspannst und deinen Blickpunkt bewusst an dich heranziehst, so dass die beiden Bilder auseinandergehen – das nenne ich das Doppeln. Es ist eine Konzentration, sowohl körperlich als auch geistig. Dazu ist Kraft und Wille erforderlich, genau das, was wir brauchen, um das Nachbild festzuhalten.“
Nestor hiess mich, das Doppeln zu versuchen. Er sagte, dass ich mich dazu auf irgendeinen Gegenstand konzentrieren solle. Von Vorteil sei allerdings etwas, das aus dem Bild heraussticht, vielleicht etwas, das leuchtet. Ich blickte mich um und starrte auf mein Teeglas, in welchem sich das Licht spiegelte.
Nach einer Weile gab ich mein Vorhaben auf. Nichts tat sich. Das Bild verdoppelte sich nicht. Nestor krümmte sich vor Lachen. Nach seinen nachahmenden Gesten zu urteilen, riss ich nur immer wieder die Augen auf, anstatt die Augen nach innen zu verschieben.
Er schlug vor, dass ich erst einmal auf meine Nasenspitze starren sollte, denn das sei auch Doppeln. Das gelang mir zwar mit einiger Übung relativ leicht, aber wenn ich dann meinen Blick von der Nasenspitze lösen und mit doppelnden Augen in die Ferne blicken sollte, zogen sich die beiden Bilder umgehend an und überlagerten sich wieder zu einem einzigen.
Ich berichtete Nestor von meinem Problem. Er bestätigte, dass das Doppeln Kraft benötige, weil es sich dabei um eine Konzentration handeln würde. Dann kündigte er mir an, dass es einen Trick gäbe, wie ich das Doppeln besser üben könne.
Nachdem wir die Steinpilze auf dem Ofen ausgebreitet hatten, trug mir Nestor auf, mit einem Bleistift zwei in Form und Grösse gleich beschaffene Kreisfiguren zu malen. Eine solche Figur setzte sich aus zwei konzentrischen Kreisen zusammen, die zwei Flächen zum Ausmalen boten: innen eine Scheibe, ein Kern, und aussen ein Kreisring um diesen Kern. Bei der Herstellung dieser Figur sollte ich beachten, dass die Fläche des kleinen Kreises ebenso gross ist, wie die des Kreisrings.
Als ich dies soweit angefertigt hatte, angelte Nestor aus dem Kachelofen ein Stück Kohle und trug mir auf, je eine Fläche dieser beiden Figuren damit auszufärben: Bei der einen Figur war der Kreisring geschwärzt, der Kern blieb weiss; bei der anderen Figur umgekehrt, der Kreisring blieb weiss, den Kern schwärzte ich mit der Kohle.
Kohle, so behauptete er, würde sich dafür besonders gut eignen, denn die schwarz gefärbten Flächen seien nicht exakt gleichmässig schwarz, sondern es gäbe hellere und dunklere Stellen. Dasselbe gelte für die weiss gelassenen Flächen, denn das Papierweiss sei ebenfalls kein gleichmässiges Weiss. Dies trage dazu bei, dass unser Bewusstsein angeregt würde und die Augen weniger schnell ermüden.
Nestor hiess mich schliesslich, die beiden aufgemalten Figuren nebeneinander an einer Wand aufzuhängen – die mit dem dunkeln Kern links, die andere rechts – und das Doppeln daran zu üben. Die Idee war, dass sich diese Figuren von zwei auf vier verdoppeln würden, sobald ich die Bilder auseinanderschob. Irgendwann überlagerten sich die zwei gedoppelten Figuren in der Mitte, so dass ich anstelle von vier nur noch drei sehen würde. Auf diese Weise könne ich meinen Blick auf der mittleren, überlagerten Kreisfigur ruhen lassen, erklärte Nestor. Der Blick sei dann wie fixiert, und es würde mich keine zusätzliche Anstrengung kosten, das Bild gedoppelt zu halten.
Nestor forderte mich auf, mit den Abständen zu experimentieren. Ich sollte selbst herausfinden, wie weit voneinander entfernt ich die Figuren aufhängen wollte, und wie nah ich mich selbst vor sie hinsetzte.
„Je grösser der Abstand zwischen den beiden Figuren ist, desto stärker wirst du dich konzentrieren müssen, um die Figuren zu überlagern. Aber desto schneller wirst du auch müde und verlierst dich in Gedanken. Wenn du dagegen die Kreise nah beieinander anbringst, so bist du auch nicht ganz so angespannt. Jedoch solltest du diese Kreise immer scharf wahrnehmen können. Denn nur wenn du etwas scharf siehst, bedeutet das, dass du dort bist, dass du dort deine volle Aufmerksamkeit hineingeben kannst.“
„Wie kommst du gerade auf diese Figur?“
„Es ist die einfachste Möglichkeit, zwei Gegensätzlichkeiten auszudrücken“, erwiderte er und führte aus, dass die Verschmelzung dieser beiden Gegensätzlichkeiten im überlagerten Mittelbild wiederum eine Ausgeglichenheit entstehen lassen würde. Diese helfe dabei, die Nachbilder länger festzuhalten und das Bild als ein Ganzes zu sehen. Er sprach auch davon, dass ich mit dieser Übung die eigenen, gegensätzlichen Augen kennenlernen und die Ausgeglichenheit zwischen ihnen finden würde.
„Diese Übung hilft dir, mehr präsent zu sein, mehr in der Gegenwart zu leben“, erklärte er. „Denn mit dem einen Auge schauen wir stets in die Zukunft, mit dem anderen Auge aber in die gegensätzliche Richtung, die Vergangenheit. Du versuchst nun, diese zwei Zeiten auszudehnen und in der Mitte zur Gegenwart zu machen.
Überhaupt stehen diese beiden Kreisfiguren für alle erdenklichen, absoluten Gegensätze, die wir kennen: Sonne und Mond zum Beispiel; oder das männliche und das weibliche Prinzip, oder Tag und Nacht, oder Gefühle wie lieben und hassen.“
Nestor kam richtig in Fahrt und suchte noch einige weitere Gegensatzpaare, die er dieser Figur zuordnen konnte. Die Sache schien ihm Spass zu machen, und ich mutmasste, dass dies deshalb so war, weil er bemerkte, wie sich meine Geduld erschöpfte.
„Nimm diese Zuordnungen nicht so ernst“, sagte er versöhnlich, als Antwort auf meine Unmutsäusserung. „Das ist auch nur die Kleine Welt ins Bild geben. Für dich geht es nur darum, das Doppeln zu lernen, damit du die Nachbilder etwas länger festhalten und richtig betrachten kannst.“


Viel Erfolg beim Üben!
Floco Tausin

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